| 1 Einleitung: Wissen im Dialog weitergeben |
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Seit Wissen verstärkt als empirischer Gegenstand formuliert und untersucht wird, werden dessen sogenannte implizite oder schweigende Aspekte in den Vordergrund gerückt. Besonders die Psychologie (Broadbent, FitzGerald & Broadbent 1986; Mandl & Spada 1988; Haider 1992, Waibel 1997) und die Berufspädagogik (Neuweg 1999; Fischer 2002) haben gezeigt, dass Expertise oder Kompetenz sich nicht in formalisierbaren Algorithmen oder Regeln abbilden und weitervermitteln lassen. Ein wesentlicher Anteil der erfahrungsbasierten Kompetenz von Experten ist unhinterfragt und routiniert ins Handeln eingelassen (Dreyfus & Dreyfus 1986; Bromme 1992; Gruber 1999). Diese Dimension des Wissens ist weitgehend unerforscht, wird aber im strategischen Management als äußerst relevantes Phänomen anerkannt (Quinn 1995; Sternberg & Horvath 1999). Auch die Organisationswissenschaften schärfen die Aufmerksamkeit für das Wissensphänomen. Organisationen werden als Wissenssysteme verstanden, Wissen ist demnach über die Organisation mit ihren Artefakten, Regeln, Strukturen und Praxisgemeinschaften verteilt (Collins 1993; Blackler 1995; Tsoukas 1996) .
Erkenntnistheoretische Grundlage für die These des verteilten Wissens ist der Wissensbegriff des Pragmatismus (Rorty 1988; Dewey & Bentley 1975; Martens 1975). Demnach bewährt sich Wissen im Handeln, der Erkenntnisprozess wird als ein aneignendes Geschehen zwischen Erkennendem und Phänomen beschrieben. Weiterhin beschreibt der soziale Konstruktivismus, wie aus der Erkenntnis des Phänomens eine soziale, gemeinschaftlich akzeptierte Tatsache wird. Wissen entspricht demnach einem gemeinschaftlich ausgehandelten Sinn, der Phänomenen und Ereignissen zugeschrieben wird (Schütz 1974; Berger & Luckmann 1999; Resnick 1991). Bereits die Wahrnehmung und Beschreibung aller Phänomene ist eine Konstruktion, erfordert also die Erkenntnisfähigkeit des Subjekts und ist sozial vermittelt. Damit ist die Gültigkeit des Wissens nicht aus einer objektiven Instanz ableitbar, sondern wird als Frage seines Geltungsbereiches und seines Begründungszusammenhanges behandelt (Wille 1994; Meder 1994). Der Geltungsbereich verweist auf den Kontext, mit dem eine Erkenntnis verwoben ist, der Begründungszusammenhang auf den Prozess des Erkennens und der Explikation.
Obwohl dem Wissensmanagement (WM) bereits früh ein solcher Wissensbegriff zugrunde liegt (beispielhaft bei Nonaka & Takeuchi 1995, Davenport & Prusak 1998), dominierte in den Anwendungsfeldern zunächst die Informationsmetapher. Wissen wurde hier als eine Entität und Ressource betrachtet, die durch Veredelung aus Informationen und Daten zu gewinnen sei (Rehäuser & Krcmar 1996; kritisch: Hubig 1998). Die Formalisierung und Standardisierung von Wissen in Organisationen mit der Idee der Erfassung und Weitergabe erzielte jedoch nicht die gewünschten Effekte, entsprechende datenbankbasierte Werkzeuge werden trotz hoher Investitionen kaum genutzt (Schulze 2002; Wilkesmann & Rascher 2002; Dick 2004). In der Literatur ist daher auf breiter Linie eine Abkehr von der technikzentrierten Sichtweise zu beobachten, sowohl in Fallstudien (Jacob & Ebrahimpur 2001; Probst & Davenport 2001) als auch in Überblicksarbeiten (Katenkamp et al. 2002; Moffett, McAdam & Parkinson 2003; Scholl, König & Meyer 2003). Postuliert werden integrierte Ansätze, die die psychologische, kulturelle und organisatorische Seite des Themas eigenständig reflektieren (Snowden 2002). Damit wird die situierte und verteilte wie auch die implizite Qualität des Wissens zunehmend auch in der Praxis als zentrale Herausforderung anerkannt. Die Entwicklung von Methoden in Psychologie und Pädagogik hierzu steht jedoch erst am Anfang (Überblick bei Dick & Wehner 2003).
Zu den dialogischen Verfahren, die im WM Anwendung finden, gehören Wissenszirkel (Derboven, Dick & Wehner 2002), das Story Telling (Kleiner & Roth 1997; Reinmann 2005) und Triadengespräche (Dick 2006). Das Gemeinsame dieser Verfahren ist, dass sie alle versuchen, einen Austausch über persönliche Erfahrungen zu ermöglichen, um deren persönlichen Gewinn gemeinschaftlich nutzen zu können. Das Story Telling trennt zwischen dem Prozess der Darstellung einer Erfahrung und dem Prozess ihrer Rezeption, indem speziell geschulte Interviewer oder Redakteure die Darstellungen recherchieren, erheben, aufbereiten und darstellen. In Zirkeln und Triadengesprächen hingegen kommen Erfahrungsträger und Zuhörer direkt zusammen und tauschen sich über den Inhalt und Ertrag der Erfahrungen aus.
Das Triadengespräch ist ein gesprächsbasiertes, narratives Verfahren zur Weitergabe personengebunden Wissens. Es hat seine Wurzeln in der systemischen Familientherapie und Organisationsberatung (Tietel 2003) und zeichnet sich dadurch aus, dass es die Innen- und die Außenperspektive auf das erlebte Geschehen miteinander kombiniert: Involviertheit und Distanz zum Geschehen sind in einer Gesprächssituation gleichzeitig möglich. In der Triade werden drei Rollen vergeben: die des Erzählers (Experte auf einem Gebiet), die des fachlichen Zuhörers (Novize auf diesem Gebiet) und die des methodischen Zuhörers (Laie auf diesem Gebiet). Somit wird das klassische Experten–Novizen Gespräch (dyadische Struktur) um die Rolle des Laien erweitert. Dieser sorgt durch Distanz zum Geschehen dafür, dass Erzähler und Zuhörer eine Sprache sprechen, implizites Wissen verbalisiert und Unklarheiten aufgeklärt werden. Durch die triadische Struktur wird eine direkte Rückkopplung zwischen Erzähler und Zuhörer ermöglicht (Involviertheit). Triadengespräche kamen als Methode zur Vermittlung personengebundenen Wissens erstmalig in einem Technologieunternehmen zum Einsatz. Die vorliegende Studie evaluiert diese Pilotanwendung, um Antworten auf folgende Fragen zu erhalten:
Wie nützlich ist der Einsatz von Triaden für den Transfer personengebundenen Wissens?
Wie hoch ist die Akzeptanz der Methode bei den Mitarbeitern?
Unter welchen Bedingungen kann die Methode erfolgreich eingesetzt werden?
Dazu sind 32 Mitarbeiter des Unternehmens befragt wurden, die bei der Pilotanwendung zwischen März 2003 und Februar 2004 selbst an Triadengesprächen teilgenommen haben.