| 7 Diskussion, Interpretation und Gestaltungsvorschläge |
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In der vorliegenden Arbeit sollten Kommunikationswege auf ihre Eignung für die Arbeit der Koordinationsgruppe im Sozial-orientierten Netzwerk für Ideentausch (Sonet) hin untersucht werden. Die beiden Thesen zur Notwendigkeit von Koexistenz in der Koordinationsgruppe und zum fließenden Übergang von f2f zur cvK standen im Mittelpunkt der Betrachtungen. In halbstrukturierten Interviews wurde in diesem Zusammenhang nach Erfahrungen mit Kommunikationsmitteln, deren Einschätzungen sowie nach den persönlichen Präferenzen bei der Medienwahl gefragt.
Die Interviews erwiesen sich als geeignete Form der Datenerhebung, da umfangreiche Informationen, z. B. über Kommunikationsgewohnheiten, eigene Erfahrungen sowie persönliche und systemimmanente Probleme, gewonnen wurden. Durch die erfolgte kommunikative Validierung in Form einer Ergebnis-präsentation mit Diskussion gewinnen die Schlussfolgerungen zudem an Gewicht.
Die beiden Thesen wurden bestätigt. Es konnten zudem Ergebnisse und Modelle der Literatur bestätigt werden, insbesondere die Theorie der Rationalen Medienwahl. Die priorisierte Zuordnung von Tätigkeiten zu einem bevorzugten Kommunikationsmedium nach Rice (1993, Tab. 4) fand weitgehende Bestätigung, wie Tabelle 6 zeigt. Eine Ausnahme findet sich bei der Ideenfindung, welche im untersuchten Netzwerk einen Schwerpunkt bildet und somit hier mit mehr Gewicht hervorgeht. In den Interviews wurde ferner die Wichtigkeit von ansprechenden Kommunikationsformen (vgl. Mediale Reichhaltigkeit), die Knüpfung persönlicher Kontakte (vgl. soziale Präsenz) sowie Möglichkeiten zum direkten Meinungsaustausch (vgl. Backchannel-Feedback) betont. Dadurch werden Schlüsselbegriffe im Zusammenhang mit der Theorie der Rationalen Medienwahl berührt. Als besonders wichtig stellten sich auch die persönlichen Erfahrungen mit dem Netzwerk-Tool dar. f2f Kommunikation diente den Beteiligten dazu, ihre Bedienerkompetenz bei der Netzwerk-Plattform zu erhöhen.
Bezüglich der Einschätzung des beruflichen Netzgebrauchs (Tab. 5) wurden Flexibilität, direkter Zugang als Vorteile, aber auch Informationsflut als Nachteil genannt. Nur die Selbständigkeit bei der Arbeitserledigung fand keine Erwähnung, was mit der generell hohen Selbständigkeit der Befragten in ihrem Beruf plausibel erklärt werden konnte.
Einschränkend ist davon auszugehen, dass viele Interviewte aufgrund ihrer beruflichen Stellung hinsichtlich kommunikativer Fähigkeiten profiliert sind. Einige Einschätzungen wurden deshalb vielleicht nicht im Kontext von Sonet vorgenommen, sondern bereits vorher auf theoretischem bzw. praktischem Wege angeeignet.
Die vorliegende Untersuchung konnte die Nützlichkeit des Konzeptes der Koexistenz zur gegenseitigen Ergänzung der Kommunikationswege zeigen. Der Übergang zur virtuellen Kommunikation stellte die Akteure vor Herausforderungen, auf die sie unterschiedlich gut vorbereitet waren. Dementsprechend sind weitere Untersuchungen zwecks Ableitung von Gestaltungsvorschlägen für das Netzwerk angezeigt, um einen problemloseren Einsatz der cvK gemäß der zweiten These sicherzustellen.
Im Sonet-Projekt lauten entsprechende Gestaltungsvorschläge:
- Ausbau der Koexistenz (cvK, 2f2) in der Koordinationsgruppe von Sonet
- Förderung weiterer Schulungen in Bezug auf die Benutzung von Netzwerkzeugen
- Einsatz von Moderation auch für den netzbasierten Ideentausch
- Thematisierung von Prioritäten (Zeitfonds) beim Ideentausch.