In gewisser Weise ähnelt die ambivalente Verortung des Betriebsrats in der sozialen Topographie des Betriebes der Position von mittleren Führungskräften, die wie der Betriebsrat „transferielle Funktionen in beide Richtungen wahrnehmen“ (Freimuth u.a. 2003, S. 24) und hierbei ebenfalls der „Ambivalenz“ unterliegen, „zugleich Führungskraft und Mitarbeiter zu sein“ (ebenda). Doch während für mittlere Führungskräfte zumindest klar ist, dass von oben „die Umsetzung der Vorgaben“ erwartet wird, während sie sich nach unten hin, zu ihren eigenen Mitarbeitern „behaupten und durchsetzen“ müssen, sie tatsächlich in einer hierarchisch abgestuften Mitte situiert sind, ist die Verortung von Betriebsräten paradoxer, da sie sich weder dem ‚Oben' unterzuordnen noch denen ‚unten' Anweisungen zu geben haben und sich obendrein auf eigentümliche Weise zugleich oben und unten dazugehörig fühlen. Damit sind sie stärker noch als mittlere Führungskräfte von einer grundlegenden „Statusunsicherheit“ betroffen, die Seidl (1999, S. 69) als einen der zentralen Stressfaktoren für Betriebsräte ermittelt hat. Nicht zuletzt die Tatsache, dass das Bild der vermittelnden Mitte angesichts dieser auseinanderfallenden Identifizierungen – wobei jene mit der Gewerkschaft hier noch ausgelassen ist – nicht recht trägt, hat mich dazu geführt, den Betriebsrat stärker in Kategorien des ‚In-Beziehung-zu' zu denken, also nicht nur als einheitlichen Akteur in den betriebspolitischen Beziehungen, sondern auch in seinen heterogenen Beziehungsverhältnissen, die sich nur schwer als zusammenhängende Einheit fassen und in die strukturelle und hierarchische Ordnung einer Organisation einpassen lassen.